Die Kunst des Bauchredens

Max FörsterDas Geheimnis der zweiten Stimme
Bauchredner setzen eine Stimmentechnik ein, bei der sie ihre Stimme so manipulieren, dass sie von außerhalb zu kommen scheint. Der Bauchredner schluckt seine natürliche Stimme quasi herunter, um sie dann, seltsam verändert und in anderer Tonlage, wieder von sich zu geben. Diese zweite Stimme sollte einen anderen Klang haben, damit der Eindruck entsteht, jemand anderes spreche. Während der Bauchredner die zweite Stimme hervorbringt, darf sich kein Gesichtsmuskel bewegen. Aus diesem Grunde üben Bauchredner sehr lange vor dem Spiegel, um diese Kunst zur Vollendung zu bringen.

Die Illusion entsteht dadurch, dass die Quelle eines Tons schwierig zu lokalisieren ist. Ein guter Bauchredner lenkt den Blick der Zuschauer auf die Puppe, indem er das Timing von Stimme und Bewegung der Figur perfekt aufeinander abstimmt. Nun verknüpft unser Gehirn Ton und Bild und macht daraus das einzig Logische: Die Puppe spricht!

Edgar BergenGeschichtliche Hintergründe einer unterhaltsamen Kunst
Der Bauchredner wird auch Ventriloquist (lateinisch: venter = Bauch + loqui = reden) genannt. Den ältesten Berichte über einen Bauchredner erhalten wir von Platon. Er erwähnt Eurykles von Athen (431 v. Chr. bis 404 v. Chr.), der im antiken Griechenland hohe Bekanntheit genoss.

Während in der Antike bis ins Mittelalter die Technik des Bauchredens für politische oder religiöse Zwecke genutzt wurde, taucht im 18. Jahrhundert mit Baron von Mengen der erste Bauchredner auf, der Puppen als Gesprächspartner zur Unterhaltung einsetzt.

Die heute übliche Präsentation einer Bauchrednershow im amüsanten Stil ist eine recht junge Form der Unterhaltung. Einer der bekanntesten Vertreter des 20. Jahrhunderts ist der Bauchredner Edgar Bergen (1903 bis 1978), der mit seiner Puppe Charlie McCarthy auch in zahlreichen Hollywood-Filmen mitwirkte.

<<zurück